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Suizid - Der letzte Ausweg?



In Deutschland sterben jedes Jahr etwa 12.000 Menschen durch Suizid – nach offiziellen Angaben, die Dunkelziffer nicht eingerechnet. Suizid ist die dritthäufigste Todesursache bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis 20 Jahre. Männer begehen doppelt so oft Suizid wie Frauen, die Häufigkeit von Suizid steigt mit zunehmenden Alter, vor allem bei Männern.
Begründeten Schätzungen zufolge muss davon ausgegangen werden, dass Suizidversuche etwa 5-10 Mal so oft geschehen wie Suizide. Suizidversuche werden am Zahlreichsten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen und vermehrt von Männern als von Frauen unternommen.

Nackte Zahlen hinter denen viele einzelne Menschen stecken. Menschen, die keinen anderen Weg aus einer Lebenssituation gesehen haben, die ihnen unerträglich war. Ob ihr Suizid „gelingt“ oder nicht, ob es „nur“ ein Hilferuf war, der gar nicht zum Tod führen sollte (aber hätte können!), ist dabei kein Hinweis auf den Grad ihres Leidensdrucks. Jeder Suizidversuch entspringt dem Wunsch, dem Unerträglichen ein Ende zu bereiten. Entweder durch den Tod oder dadurch, dass andere dann vielleicht endlich sehen und verstehen, wie übermächtig Einsamkeit, Verlassenheit, Hilflosigkeit und Verzweiflung empfunden werden. Gleichgültig wie die Lebensumstände von Außenstehenden beurteilt werden, ein Mensch, der an Selbsttötung denkt, empfindet sein Leiden als unüberwindbar.


Wie kann es so weit kommen?
Sehnlichst gewünschte Veränderungen, die sich nicht herbeiführen lassen oder eingetretene Veränderungen, die nicht verkraftet werden, können Krisen auslösen, die in Selbsttötungsgedanken und Selbsttötung enden.

„Eine Krise bekommt umfassenderes Gewicht, wenn sich mit ihr ein hoher Anspruch an die eigene Leistungsfähigkeit und zusätzlich ein starkes Verbot, Fehler zu machen, verbindet. Wer sich selbst viel zumutet, aber wenig zutraut, wer sich der Liebe seiner Mitmenschen nicht sicher ist, wer darüber hinaus niemanden hat, dem er sich anvertrauen kann oder wer das Gefühl hat, es gäbe niemanden, dem er sich anvertrauen könnte, hält möglicherweise die Krise nicht aus.“ So der Arbeitskreis Leben Stuttgart e.V. in seiner empfehlenswerten Broschüre „Suizid“. Die Erfahrungen des Arbeitskreises decken sich mit den Untersuchungsergebnissen des österreichischen Psychiaters Erwin Ringel, der drei Elemente beschreibt, die eine Suizidgefährdung erkennen lassen: Einengung, Aggression, Suizidphantasien.

Einengung der persönlichen Möglichkeiten
Die Lebensumstände scheinen übermächtig, bedrohlich und unveränderbar, die eigene Person hingegen ohnmächtig, hilflos und klein.

Einengung der Gefühlswelt
Gedanken, Vorstellungen und die Grundstimmung gehen nur noch in eine Richtung, alles erscheint grau in grau. Depression, Verzweiflung, Angst und Panik bestimmen das Sein oder aber eine unheimliche Ruhe.

Einengung der zwischenmenschlichen Beziehungen
Zunehmende Einsamkeit, Entwertung noch vorhandener Beziehungen bis hin zur Isolation als Spiegel des Sich-Verlassen- und Sich-Unverstanden-Fühlens.

Einengung des Lebens-Wertes
Die Bedeutung vieler Lebensbereiche scheint immer geringer, Interesselosigkeit und Gleichgültigkeit nehmen überhand. Das Selbstwertgefühl, die Fähigkeit und Vorstellung, etwas verändern zu können, nehmen mehr und mehr ab, je weniger Beziehung zu etwas da ist, das wertvoll erscheint.

Aggression
Zu den Gefühlen der Einengung kommen verstärkt Aggressionen, weil nichts mehr zu gelingen scheint, weil sich nichts ändert, weil keiner hilft. Die angestauten Aggressionen, die ohnmächtige Wut richtet sich gegen sich selbst.

Suizidphantasien
Die Beschäftigung mit dem eigenen Sterben wird immer intensiver. Als „kleine Flucht“ schafft sie Entlastung, wird jedoch zur Bedrohung, wenn die Realität immer unerträglicher scheint und die Suizidphantasien immer zwingender werden.


„Je früher jemand im Verlauf dieser Entwicklung noch Kontakt zu jemand aufnehmen und über das sprechen kann, was in ihm und mit ihm passiert, um so besser sind seine Chancen:
Wer Hilfe sucht, hat seine Selbsthilfekräfte und seine Mitmenschen noch nicht ganz abgeschrieben. Hier liegt die Chance zu helfen.“

(Arbeitskreis Leben Stuttgart e.V., Broschüre „Suizid“, 3. Auflage 1997.)


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Link-Tipps


Arbeitskreis Leben
Hilfe bei Selbsttötungsgefahr und Lebenskrisen - Informationen über Beratungsstellen und Hilfsangebote des Vereins in Baden-Württemberg. Unter „Infos“ stehen zum Download bereit: Broschüre „Suizid“, Literaturliste, Statistische Angaben für 1999/2000 zum Thema Suizid.<

Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention
Dachgesellschaft für alle Einrichtungen und Personen, die sich in Forschung, Lehre oder Praxis mit Suizidprävention als Hilfe in Lebenskrisen befassen. Informationen, Adressen.

Krisendienste
Liste von Einrichtungen zur Suizidprävention, bundesweit, nach PLZ geordnet.

Sorgenchat für Jugendliche
Online-Treffpunkt und moderiertes Forum der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. (bke) für Jugendliche zum Thema Stress, Ärger, Ängste, Nöte.

Elternberatung
Elternchat, Diskussionsforum, Email-Beratung. Ein Angebot der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V.

Chat-, Mail- und Telefonberatung
Beratungsplattform verschiedener gemeinnütziger Einrichtungen.

Informationen für Menschen in Krisen
Informationen für Menschen, die sich nicht nicht sicher sind, ob sie weiterleben sollen - von Dr. Wolfram Dorrmann.

Therapeutische Grundeinstellungen
Acht hilfreiche Grundeinstellungen aus der Praxis für die Arbeit mit suizidalen Patienten. Auszug aus Wolfram Dorrmann: Suizid. Therapeutische Interventionen bei Selbsttötungsabsichten. München 1996.

Sozialarbeit
Die Frage nach dem Sinn eine Aufgabe der Sozialarbeit. Diplomarbeit, die unter Punkt 7 „Suizidprophylaxe“ abhandelt.

Befrienders Interantional
Weltweite Bemühungen von 31.000 Freiwilligen in über 40 Ländern zur Verhinderung von Selbstmord, Informationen in deutsch. (Zur Zeit gibt es allerdings noch keine deutschen Mitglieds-Zentren.)

Suizidforen im Internet
Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft zur Suizidprävention (DGS).