Sinn geben - Erfüllung finden



Die Ärztin und Sterbeforscherin Dr. Elisabeth Kübler-Ross berichtet - wie viele andere in der Sterbebegleitung Tätigen auch - dass im Angesicht des Todes wohl jeder Mensch vor einer wesentlichen Frage steht: War mein Leben sinnvoll und erfüllt? Dann kann ich in Würde sterben. Was genau „sinnvoll und erfüllt leben“ bedeutet, sieht für jeden Menschen anders aus. Aber immer hat es etwas mit Beziehungen, Wünschen und Träumen zu tun.

Die meisten von uns haben schon einmal eine Trennung durchlebt und kennen die Momente, in denen dem anderen der berühmte „Heiligenschein“ aufgesetzt wird. Er erscheint durch und durch liebens-würdig, seine „Macken“ nicht der Rede wert – wir sehen ihn auf einmal in einem ganz anderen Licht. So zu schauen, wäre auch vor der Trennung möglich gewesen, aber da waren unsere Scheinwerfer vorrangig auf seine Schwächen gerichtet. Das ist die verbreitetste Art zu schauen. Auf andere Menschen, auf sich selber, auf die eigenen Möglichkeiten, die Lebensumstände usf.

Heißt das, wir sollten alle mit der "rosaroten Brille" durch die Welt laufen? Sicher nicht. Aber eben auch nicht mit dem Tunnelblick der Krittelei.
Wer dieses „andere Licht“ zum festen Bestandteil seines Schauens macht, nährt Freude, Staunen, Wohlwollen, Lebendigkeit, Akzeptanz, Offenheit, Interesse, Mitgefühl, Zuversicht... und - sieht mehr! Genug, um grundlegende Erfahrungen zu machen und Entscheidungen zu treffen:

Wie und womit möchte ich meine Zeit verbringen
und wie/womit nicht?

Mit welchen Menschen möchte ich mein Leben teilen
und mit welchen nicht?

Was ist mir wirklich wichtig in meinem Leben –
was macht mich glücklich?

Was möchte ich „dem Leben“ geben –
wie mache ich andere glücklich?

Viele unserer Gewohnheiten im Denken, Fühlen und Handeln machen es schwer, diese und andere „große“ Fragen tagtäglich zu nutzen, um dem eigenen Leben eine Richtung zu geben, es mit Sinn zu (er-)füllen. Aber Gewohnheiten lassen sich ändern... Unerledigtes vor sich herzuschieben, kostet Kraft, innere Ruhe, Lebens-Freude und Lebens-Zeit.




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Gabriele Helmert, Münster 2001ff.