Gedanken zum Schwangerschaftsabbruch
Vor einiger Zeit erzählte meine Mutter von einem Film, der sie sehr berührt hatte. Eine Hebamme, die in der Schwangerschaft erfuhr, dass das Kind schwerstbehindert ist, entschied sich gegen eine Abtreibung. Sie brachte das Kind auf die Welt und es starb kurz nach der Geburt im Kreise der Familie. Bei aller Trauer hatten die Beteiligten das Gefühl, dass es gut war, das Kind auf der Welt willkommen geheißen und es bewusst verabschiedet zu haben.
"Das kann ich mir sehr gut vorstellen", meinte ich zu meiner Mutter und erzählte, was ich seit einigen Jahren über Abtreibung denke. "Ich habe noch mit niemandem darüber gesprochen, dass du abgetrieben hast," meinte meine Mutter darauf hin, "vom zweiten Mal wusste Papa bis zum Schluss nicht."
Es stellte sich heraus, dass sich meine Mutter noch heute - nach über 20 Jahren - fragt, ob sie nicht mehr mit mir hätten reden sollen. Ob sie die Abtreibungen nicht so hätte verhindern können.
Möglich ist es schon, dass das erste Kind auf die Welt gekommen wäre, wenn meine Eltern mehr mit mir geredet hätten. Aber ehrlich gesagt, bin ich froh, dass sie es nicht gemacht haben. Es tut mir nicht leid, dass ich mit 18 (und mit 21) nicht Mutter geworden bin. Für mich war es wichtig und gut, noch viele Jahre zu haben, in denen ich zunächst einmal nur für mich und mein eigenes Glück verantwortlich war.
Aber es tut mir sehr, sehr leid, dass ich den beiden Wesen, die da in meinem Bauch waren, Leid zugefügt habe. Dass ich nicht die Kraft, den Mut, die Reife, die Unterstützung - oder was auch immer dazu nötig gewesen wäre - gehabt habe, die Kinder auf die Welt zu bringen und sie von Herzen in die Hände anderer Menschen zu legen.
Es tut mir leid, aber ich leide nicht darunter. Nicht mehr, denn ich habe heute Verständnis und Mitgefühl für mich in meiner damaligen Situation. Ich weiß, dass ich mir die Entscheidung damals - wie wohl jede andere Frau auch - nicht leicht gemacht habe. Und ich akzeptiere, dass ich zu dieser Zeit in dieser Situation keine bessere Alternative sehen konnte.
Gabriele Helmert, MS 2004
Link-Tipp
Selbsthilfe-Forum
Ein Seite von Frauen für Frauen, die sich in einem Schwangerschaftskonflikt befinden
oder einen Schwangerschaftsabbruch hinter sich haben sowie für Angehörige. Während die Infoseiten
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