Gedanken zum Schwangerschaftabbruch

Vor einiger Zeit erzählte meine Mutter von einem Film, der sie sehr berührt hatte. Eine Hebamme, die in der Schwangerschaft erfuhr, dass ihr Kind schwerstbehindert ist, entschied sich gegen eine Abtreibung. Sie brachte das Kind auf die Welt und es starb kurz nach der Geburt im Kreise der Familie. Bei aller Trauer hatten die Beteiligten das Gefühl, dass es gut war, das Kind auf der Welt willkommen geheißen und es bewusst verabschiedet zu haben.
"Das kann ich mir sehr gut vorstellen", meinte ich zu meiner Mutter und erzählte, was ich seit einigen Jahren über Abtreibung denke. "Ich habe noch mit niemandem darüber gesprochen, dass du abgetrieben hast," meinte meine Mutter darauf hin, "vom zweiten Mal wusste Papa bis zum Schluss nicht."

Es stellte sich heraus, dass sich meine Mutter noch heute - nach über 30 Jahren - fragt, ob sie nicht mehr mit mir hätten reden sollen. Ob sie die Abtreibungen nicht so hätte verhindern können.
Möglich ist es schon, dass das erste Kind auf die Welt gekommen wäre, wenn meine Eltern mehr mit mir geredet hätten. Aber vermutlich war es für meine persönliche Entwicklung kein Nachtteil, nicht mit 18 (und mit 21) Mutter geworden zu sein und noch viele Jahre gehabt zu haben, in denen ich zunächst einmal nur für mich und mein eigenes Glück verantwortlich war. Gleichzeitig tut es mir sehr, sehr leid, dass ich den beiden Wesen, die in meinem Bauch wachsen wollten, Leid zugefügt habe. Dass ich nicht die Kraft, den Mut, die Reife, die Unterstützung - oder was auch immer dazu nötig gewesen wäre - gehabt habe, die Kinder auf die Welt zu bringen und sie von Herzen in die Hände anderer Menschen zu legen.

Es tut mir sehr leid, aber ich leide nicht darunter. Nicht mehr, denn ich habe heute Verständnis und Mitgefühl für mich in meiner damaligen Situation. Ich weiß, dass ich mir die Entscheidung damals - wie wohl die allermeisten anderen Frauen auch - nicht leicht gemacht habe. Ich akzeptiere, dass ich zu dieser Zeit in dieser Situation keine bessere Alternative sehen konnte. Und ich wünsche von Herzen, dass die beiden gute Bedingungen im nächsten Leben gefunden haben und gerade so glücklich sind wie nur irgend möglich!



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