Märchen begleiten mich seit meiner Kindheit.
Als Kind habe ich Hunderte, vermutlich sogar Tausende von Märchen gelesen;
vorwiegend europäische Zaubermärchen, die mir bis heute die liebsten sind,
weil sie (in aller Regel) zu einem guten Ende finden :-)
Aus meiner Sicht lautet die Botschaft dieser Märchen:
Vertraue Dir. Nichts ist zu schön, um wahr zu sein oder um wahr zu werden.
Sei auf Dein(e) Lebensziel(e) ausgerichtet, ohne dem Moment Aufmerksamkeit zu entziehen.
Sei offen für HelferInnen und lasse Dich von Rückschlägen nicht entmutigen.
Es gibt keine Situation ohne Ausweg oder Hilfe. Ein vermeintlicher Schicksalsschlag kann
Auslöser für eine Lebensveränderung sein, die sich schließlich als glücklich und bereichernd erweist.
(Quelle: Gabriele Helmert: Betrachtungen über Wesen und Bedeutung der Intuition und den
potentiellen Beitrag kreativer Arbeit mit Märchen zur Stärkung intuitiver Wahrnehmung.
Diplomarbeit. Münster 1993. S.78, 100-102 [hier ohne Fußnoten]. Ausgangspunkt: S.99: "Jede Erzählung,
in der d. HeldIn eine anfängliche Mangelsituation oder Schädigung glücklich überwindet, wird von
uns als Märchen angesehen, sofern sie die Elemente Eindimensionaliät, Flächenhaftigkeit,
abstrakter Stil, Isolation und Allverbundenheit aufweist.")
Die MärchenheldInnen mögen die Jüngsten, die
vermeintlich Schwächsten, die scheinbar Dümmsten oder die Stiefkinder ihrer Familie
sein [Isolation], an ihrem Selbstvertrauen vermag dieser Umstand nicht zu rütteln.
Das Wasser des Lebens finden? Warum nicht?! Den verzauberten Liebsten erlösen?
Warum nicht?! Zugegeben, auch e. MärchenheldIn ist einmal verzagt, wenn sich die
Hindernisse allzu hoch auftürmen. Aber aufgeben? Niemals! Und ist die Not am größten,
befindet sich d. Heldin in einer schier aussichtslosen Lage, taucht stets e. HelferIn auf,
nicht selten ein übernatürliches Wesen wie z.B. eine Hexe, ein Zwerg, eine Zauberin
[Allverbundenheit, Eindimensionalität]. Schließlich, häufig erst nach dem dritten
oder vierten Anlauf, löst die Heldin ihre/der Held seine Aufgabe, erreicht ihr/sein Ziel.
Ende gut, alles gut! Mag heißen: Im Licht des guten Endes verlieren die ihm vorausgegangenen
angstvollen oder schmerzhaften Momente ihre destruktive Kraft und erfahren eine
konstruktive Be-Deutung.
Ich sehe in Märchen einen Spiegel menschlicher Grunderfahrungen. In jedem Augenblick des
Lebens findet Entwicklung und Reifung statt. Märchen beschreiben die inter- und die
intrapersonellen Konflikte, die mit Entwicklungs- und Reifungsvorgängen einhergehen.
Wie auch Träume lassen sich Märchen auf verschiedenen Ebenen deuten. Auf der Objektebene
können wir in Märchen unsere Beziehungsprobleme mit Eltern, Geschwistern, Lebenspartnerinnen,
Kindern symbolisiert sehen. Deuten wir ein Märchen auf der Subjektebene, vermag es unsere
Auseinandersetzung mit der eigenen Person, mit erwünschten und unerwünschten, bewussten und
unbewussten Persönlichkeitsanteilen widerzuspiegeln.
Bitte beachten Sie auch hier das Copyright: (c) Gabriele Helmert 1993.
Zitate nur nach Rücksprache und unter vollständiger Quellenangabe.