Wege



Kreativ Sein

Vielleicht gehören auch Sie zu den vielen Menschen,
die schon lange keine Pinsel und Farben, keinen Ton oder ähnliches mehr zur Hand genommen haben? Aus meiner Erfahrung kann ich Ihnen versichern, dass JEDER Mensch seine besondere Weise hat, sein Erleben, seinen inneren Reichtum in Formen und Farben sichtbar zu machen! Und ich möchte Sie herzlich einladen, diesen Ausdrucks- und Entspannungs- und Lösungsweg wieder bzw. neu für sich zu entdecken!

Vielleicht interessiert Sie der folgende Auszug aus meiner Diplomarbeit und vielleicht macht er Ihnen Mut oder weckt Ihre Lust, sich auszuprobieren:




Kreatives Tun verleiht inneren Bildern und innerem Wissen Ausdruck.


(Quelle: Gabriele Helmert: Betrachtungen über Wesen und Bedeutung der Intuition und den potentiellen Beitrag kreativer Arbeit mit Märchen zur Stärkung intuitiver Wahrnehmung. Diplomarbeit. Münster 1993. S. 107-110 [hier ohne Fußnoten].)

In für mich schwierigen Situationen habe ich in der Vergangenheit häufig zum Märchenbuch, zum I Ging oder zum Tarot gegriffen. Nicht, um mich abzulenken oder einen Blick in die Zukunft zu wagen, sondern um die vorgegebenen Texte und Bilder als Anregung zu nutzen, um über die Beschäftigung mit ihnen zu einer größeren Klarheit und Bewusstheit bezüglich meiner Gedanken und Gefühle, Hoffnungen und Befürchtungen zu gelangen.

Inzwischen nehme ich ebenso häufig Papier und Farbe zur Hand, versuche, meinen eigenen Bildern - z.B. aus Träumen, Meditationen, Erinnerungen oder auch Wünsche, Befürchtungen etc. - äußere Gestalt zu verleihen und sie auf diese Weise näher zu beleuchten. Für mich ist das eine erstaunliche Entwicklung, denn eines 'wusste' ich seit meiner Kindheit 'ganz genau': Malen kann ich überhaupt nicht. Das liegt einfach nicht bei uns in der Familie... Richtig ist, dass ich nicht gegenständlich zu zeichnen gelernt habe. Was ich jedoch während der Kunst- und Kreativtherapieausbildung erfahren habe, ist, dass ich mich in Formen und Farben ausdrücken kann. Dass ich zwar keine 'hohe Kunst' produzieren kann, jedoch in der Lage bin, mein inneres Erleben anschaulich darzustellen. Das ist eine Ausdrucksmöglichkeit, die ich nicht mehr missen möchte.


 Beispiel 


Eine andere Möglichkeit, inneres Erleben auf eine äußere Bühne zu bringen bietet zum Beispiel das Psychodrama ("therapeutisches Rollenspiel"). Hier kann ich meine Ängste, Wünsche etc. von anderen verkörpern lassen und über das Spiel mit ihnen in Kontakt treten. Doch benötige ich dazu die Hilfe einer Gruppe und die ist leider nicht immer zur Stelle, wenn ich eine Situation klären möchte.

Setze ich mich z.B. malend mit einem Problem auseinander, kann ich Farben und Formen zu meinen "Hilfs-Ichs" und das Blatt Papier zur Bühne machen. Ich wähle Farben und Formen und bestimme, welche meiner Gefühle, Gedanken, Wahrnehmungen sie portraitieren sollen. Wie auch die Psychodramabühne ist die "Bühne Papier" eine Welt für sich. Als MalerIn auf dem Papier kann ich wie d. ProtagonistIn auf der Psychodramabühne mit Hilfe der MitspielerInnen experimentieren, kann die aufgebaute bzw. aufgemalte Welt versuchsweise in beliebiger Richtung verändern.

Anregungen, Unterstützung bei der Konkretisierung und Lösungssuche findet im Psychodrama wesentlich durch die Portraitierung und Maximierung der Rolle statt, das heißt, die MitspielerInnen überzeichnen bzw. verändern die ihnen zugewiesenen Rollen in eine bestimmte Richtung. Beim Malen erlebe ich etwas, das der Rollengestaltung bzw. -portraitierung im Psychodrama nahe kommt. In der Regel habe ich eine Idee, wie ich ein bestimmtes Problem darstellen möchte. Ich greife zu den Farben, fange an, meine Vorstellungen umzusetzen und muss bald feststellen, dass die Formen und die Farben auf dem Papier anders sind als diejenigen, die ich "im Kopf" hatte.

Darüber kann ich mich ärgern und verbissen versuchen, meine Vorstellungen besser umzusetzen. Ich kann mich aber auch von dem, was sich mir auf dem Blatt Papier zeigt, anregen lassen. Weckt eine Farbe oder eine Form meine Experimentierfreude und führt mich möglicherweise spielerisch-gestalterisch zu einer neuen Sichtweise meiner Problemlage? Drücken die Farben und Formen - wie sie jetzt auf dem Bild zu sehen sind - Aspekte aus, die in meinem Konzept nicht enthalten waren, aber dennoch bedeutsam sein könnten hinsichtlich Konkretisierung und Problemlösung?

Für mich bedeutet Malen (gleiches gilt für jedes Gestalten), über Farben und Formen mit mir selber zu kommunizieren. Bewusstes und Unbewusstes, mein Konzept und das, was mir gerade in den Sinn kommt, fließen gleichermaßen in das Bild ein. Ich male und betrachte mich malend - ich lasse das Gemalte auf mich wirken und betrachte die Wirkung, die das Gemalte auf mein Fühlen und Denken hat. Die für mich beeindruckendsten Aspekte dieser Wirkung suche ich nach den nächsten Pinselstrichen sichtbar zu machen. Ich male und betrachte mich malend... Es ist ein stetes Wechselspiel zwischen Malen, Fühlen und Denken, das häufig von "Aha-Erlebnissen" begleitet ist, von plötzlicher Freude und Erleichterung.

Beendet ist für mich ein Gestaltungsprozess, wenn mir das, was ich betrachte, nicht länger fremd erscheint, wenn ein deutliches Gefühl von Stimmigkeit und Zufriedenheit auftaucht.



Bitte beachten Sie auch hier das Copyright: (c) Gabriele Helmert 1993.
Zitate nur nach Rücksprache und unter vollständiger Quellenangabe.